18 January 2026, 05:44

Wiesbadens Neujahrsempfang: Demokratie in der Dauer-Krise – ein Weckruf

Ein Plakat mit der Aufschrift "Dieser Monat im Bidenomics Juli 27" und einem mehrfarbigen Balkendiagramm, das das Wirtschaftswachstum über mehrere Jahre zeigt, vor einem hellblauen Hintergrund mit einem weißen Rand.

Wiesbadens Neujahrsempfang: Demokratie in der Dauer-Krise – ein Weckruf

Wiesbadens traditioneller Neujahrsempfang fand in diesem Jahr mit einer deutlich zugespitzten Ausrichtung statt als in den Vorjahren. Bürgermeister Gert-Uwe Mende begrüßte die Gäste herzlich und schuf damit eine Atmosphäre der Aufmerksamkeit und Gemeinschaft. Die Veranstaltung, die nun bereits zum dritten Mal stattfand, sollte den Austausch zwischen Bürgerinnen und Bürgern sowie den Verantwortungsträgern der Stadt fördern.

Die Politikwissenschaftlerin Professorin Nicole Deitelhoff zeichnete in ihrer Rede ein ernüchterndes Bild vom Zustand der globalen Demokratie. Sie verwies auf eine Zunahme von Gewalt in den vergangenen eineinhalb Jahrzehnten und betonte, dass die Zahl der Autokratien heute die der Demokratien übersteige.

Mende erinnerte zu Beginn des Empfangs daran, dass die Veranstaltung vor drei Jahren ins Leben gerufen worden war – mit dem Ziel, die Verbindungen innerhalb der Stadt zu stärken und den Dialog zu vertiefen. Die kommunale Ebene sei möglicherweise einer der letzten Orte, an denen Vertrauen noch durch direkte, persönliche Begegnungen entstehe, so der Bürgermeister.

Deitelhoffs Ausführungen kreisten um die These, dass Krisen längst keine vorübergehenden Störungen mehr seien, sondern zum Dauerzustand geworden seien. Demokratien gerieten unter anhaltendem Druck zunehmend unter Spannung, wobei Krisen eine eigene, unaufhaltsame Dynamik entwickelten. An einer Stelle stellte sie die provokante Frage: „Ist die Demokratie tatsächlich das richtige System für die Bewältigung von Krisen?“ Während Mende einen bedachten und verbindlichen Ton anschlug, unterstrichen Deitelhoffs Worte die grundlegenden Herausforderungen, vor denen demokratische Systeme weltweit stehen. Auch die Stimmung beim Empfang selbst spiegelte diese Spannung wider – konzentrierter und nachdenklicher als in den Jahren zuvor.

Die Veranstaltung in Wiesbaden brachte, wie geplant, lokale Entscheidungsträger und Bürgerinnen und Bürger zusammen. Deitelhoffs Warnungen vor der Verwundbarkeit von Demokratien in Krisenzeiten verlieh der Begegnung zusätzliches Gewicht. Mendes Betonung des Vertrauens durch persönlichen Austausch auf kommunaler Ebene bildete dazu einen Gegenentwurf zu den globalen Entwicklungen.