„Sondervermögen“ als irreführendes Unwort des Jahres 2025 gekürt
Der deutsche Begriff 'Sondervermögen' – oft mit 'Sonderfonds' übersetzt – ist zum 'öffentlicher Dienst des Jahres' 2025 gekürt worden. Die Entscheidung wurde in Marburg von einer Jury aus Sprachwissenschaftlern und Medienfachleuten bekannt gegeben. Ihre Begründung: Der Begriff täusche die Öffentlichkeit, indem er die Realität staatlicher Schuldenaufnahme verschleiere.
Insgesamt gingen für den diesjährigen Preis 2.631 Vorschläge ein. Die Jury, bestehend aus vier Sprachwissenschaftlern, einer Journalistin und einem wechselnden Mitglied aus Kultur oder Medien, entschied sich für 'Sondervermögen' als Sieger. Der Begriff verharmlose demnach, dass es sich dabei um die Aufnahme neuer Schulden handele – und nicht um ein neutrales Finanzinstrument.
Der Ausdruck wird zwar seit Jahren in politischen und öffentlichen Debatten verwendet, erlangte 2025 jedoch besondere Prominenz. Kritiker werfen ihm vor, die demokratische Auseinandersetzung zu untergraben, indem er Kreditaufnahmen harmloser erscheinen lasse, als sie sind. Weitere nominierte Begriffe waren unter anderem 'Migrationsbegrenzungsgesetz' und 'Umsiedlung'. Die Jury betonte, dass klare und ehrliche Sprache in der öffentlichen Kommunikation über Schulden unverzichtbar sei. Unpräzise oder manipulative Formulierungen könnten das Verständnis verzerren und das Vertrauen in Institutionen schwächen.
Die Auszeichnung lenkt die Aufmerksamkeit auf die anhaltende Debatte darüber, wie finanz- und politiksprachliche Begriffe die öffentliche Wahrnehmung prägen. Mit der Wahl von 'Sondervermögen' will die Jury die Notwendigkeit von Transparenz in Diskussionen über Staatsausgaben unterstreichen. Die Entscheidung steht in einer langen Tradition, in der irreführende oder täuschende Begriffe im deutschen Diskurs öffentlich kritisiert werden.