Saisonarbeiter in der Landwirtschaft: Ausgebeutet trotz Reformen und Mindestlohn
Brunhilde JesselSaisonarbeiter in der Landwirtschaft: Ausgebeutet trotz Reformen und Mindestlohn
Saisonarbeiter in der deutschen Landwirtschaft leiden weiterhin unter harten Arbeitsbedingungen – trotz jüngster Reformen. Berichte zeigen illegale Lohnabzüge, überlange Arbeitszeiten und unsichere Unterkünfte auf manchen Höfen. Das Problem scheint flächendeckend, während Gewerkschaften und Behörden Mühe haben, grundlegende Arbeitsschutzstandards durchzusetzen.
2023 waren rund 243.000 Saisonkräfte in der deutschen Landwirtschaft beschäftigt, doch ihre genaue Herkunft bleibt oft unklar. Viele leisten bis zu 70-Stunden-Wochen, wobei Löhne in einigen Fällen um fast 1.000 Euro illegal gekürzt werden. Die Wohnverhältnisse auf bestimmten Betrieben werden als menschenunwürdig beschrieben, während Akkordvorgaben – wie das Ernten von 14 Kilogramm Spargel pro Stunde ab 2025 – das Unfallrisiko erhöhen.
Ein neuer Tarifvertrag sieht zwar eine Lohnerhöhung von 10 Prozent über 33 Monate für Landarbeiter vor, doch ungelernte Saisonkräfte erhalten in den ersten vier Monaten keinen Cent mehr. Gleichzeitig verschlechterte eine Gesetzesänderung 2024 die Jobsecurity: Sozialabgabenfreie Kurzzeitverträge wurden auf 90 Tage pro Jahr ausgeweitet. Der Deutsche Bauernverband fordert sogar einen 20-prozentigen Abschlag auf den Mindestlohn für ausländische Saisonarbeiter – ein Vorhaben, das von einigen politischen Kreisen unterstützt wird.
Die Durchsetzung von Arbeitsgesetzen ist lasch, die Zahl der Betriebsprüfungen erreichte in diesem Jahr einen historischen Tiefstand. Der gesetzliche Mindestlohn bietet wenig Schutz, wenn Kontrollen fehlen. Gewerkschaften fordern nun stärkere internationale Zusammenarbeit, darunter Schulungen für angeworbene Arbeitskräfte vor der Abreise sowie den Ausbau von Beratungsnetzwerken in Europa. Die reformierte Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) der EU könnte helfen, da Landwirte bei Verstößen gegen Arbeitsrecht mit Subventionskürzungen rechnen müssen.
Die Kombination aus schwacher Kontrolle, erweiterten Ausnahmen und steigenden Akkordvorgaben macht Saisonarbeiter besonders verfletzlich. Zwar zielen Reformen wie die GAP und Gewerkschaftskampagnen auf die Bekämpfung von Ausbeutung ab, doch strukturelle Probleme bleiben bestehen. Ohne strengere Aufsicht und fairere Verträge wird sich die Lage der Erntehelfer kaum bald bessern.






