Masken-Skandal: Wie das Gesundheitsministerium Milliardenforderungen ignorierte
Carina KrauseMasken-Skandal: Wie das Gesundheitsministerium Milliardenforderungen ignorierte
Eine Reihe von Klagen hat schwere Mängel bei der deutschen Beschaffung von Schutzmasken während der Pandemie offenbart. Über 100 Lieferanten verklagen die Bundesregierung auf Milliardenbeträge ausstehender Rechnungen – viele machen dabei Logistikversagen beim Unternehmen Fiege für die Verzögerungen verantwortlich. Untersuchungen zeigen bürokratisches Chaos, interne Streitigkeiten und ein eklatantes Verantwortungsdefizit im Gesundheitsministerium auf.
Die Probleme begannen Anfang 2020, als der damalige Gesundheitsminister Jens Spahn in der akuten Phase der Covid-19-Ausbreitung eilig Maskendeals aushandelte. Das mit der Abwicklung beauftragte Logistikunternehmen Fiege kam mit der Bearbeitung der eingehenden Aufträge nicht nach – mit gravierenden Folgen: Lieferanten blieben auf ihren Forderungen sitzen, mindestens elf Klagen wurden eingereicht, teilweise mit Forderungen in Milliardenhöhe.
Wie eine Untersuchung des Spiegel ergab, verschärften bürokratische Hürden, interne Uneinigkeit und zögerliche Bearbeitung im Gesundheitsministerium die Krise zusätzlich. Die Regierung richtete über 1.060 Nachfragen an Fiege wegen der Verzögerungen – doch die Zahlungen blieben blockiert. Die Beratungsfirma EY warnte später, dass die Pannen bei Fiege erhebliche rechtliche Risiken bergen, darunter mögliche Schadensersatzforderungen wegen verspäteter Zahlungen.
Trotz dieser Warnungen verzichtete das Gesundheitsministerium darauf, Schadensersatz von Fiege einzufordern. Die Opposition kritisierte das Ausbleiben von Konsequenzen scharf und warf den Verantwortlichen vor, die Öffentlichkeit über das Ausmaß der bekannten Probleme bei Fiege getäuscht zu haben. Die Grünen reichten 90 detaillierte Anfragen ein, doch die Antworten der Regierung blieben vage und ausweichend.
Die Folgen des Maskenskandals wirken bis heute nach: Jahre später warten Lieferanten immer noch auf ihre Zahlungen. Die Entscheidung der Regierung, keine Ansprüche gegen Fiege geltend zu machen, lässt zentrale Fragen zur Verantwortung unbeantwortet. Unterdessen wächst der politische Druck – wegen des Krisenmanagements und der Milliarden, die weiterhin auf dem Spiel stehen.






