17 January 2026, 14:08

Kirche prüft antisemitische Kunst – Wiesbadener Debatte sucht nach Lösungen

Ein illuminiertes Manuskript mit einer detaillierten Darstellung eines Gebäudes im Hintergrund und einem Text einer Ketubba, einem jüdischen Gebetbuch, mit detaillierten Details und leuchtenden Farben.

Kirche prüft antisemitische Kunst – Wiesbadener Debatte sucht nach Lösungen

Eine evangelische Kirche in Deutschland überprüft derzeit ihre sakralen Räume auf Kunstwerke mit antisemitischen Bezügen oder nationalsozialistischem Gedankengut. Ziel der Untersuchung ist es, historische Vorurteile aufzuarbeiten, die sich in religiösen Darstellungen manifestieren. Am 22. Januar 2026 findet in Wiesbaden eine öffentliche Diskussion statt, die sich damit befasst, wie Kirchen dieses Erbe mit dem modernen Glauben in Einklang bringen können.

Die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz hat mit einer systematischen Bestandsaufnahme ihrer Gebäude begonnen. Reliefs, Skulpturen und Wandgemälde – teils Jahrhunderte alt – tragen oft antijüdische Motive, die tief in der christlichen Tradition verwurzelt sind. Statt diese Bilder zu ignorieren, strebt die Kirche nun nach Transparenz und einer offenen Debatte.

Pfarrerin Marion Gardei, die Beauftragte der Kirche für Erinnerungskultur, wird die Ergebnisse im Haus an der Marktkirche in Wiesbaden präsentieren. Die Veranstaltung ist Teil der jährlichen Gedenkreihe der Stadt „27. Januar – Gedenken an die Opfer“, die in Zusammenarbeit mit der Jüdischen Gemeinde Wiesbaden und der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit organisiert wird. Im Anschluss folgt eine Podiumsdiskussion mit Gardei, dem katholischen Priester Reverend Markus Zink (der traditionellen Kreisen nahesteht), Pfarrer Peter Noss und weiteren Fachleuten. Sie werden erörtern, wie Kirchen historische Verantwortung annehmen können, ohne den zeitgenössischen Glauben zu vernachlässigen. Der Dialog markiert einen Wandel: An die Stelle des Schweigens tritt nun die Analyse, und moralische Klarheit prägt den Prozess. Die Veranstaltung sendet zudem eine klare Botschaft: Antisemitische Kunst darf weder verborgen noch ignoriert werden. Die Organisatoren betonen, dass die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit sowohl Ehrlichkeit als auch Räume für Austausch erfordert.

Die Diskussion am 22. Januar wird die laufenden Bemühungen der Kirche beleuchten, ihr künstlerisches Erbe kritisch zu hinterfragen. Durch die offene Auseinandersetzung mit diesen Darstellungen will die Institution das Gedenken bewahren, ohne neues Leid zu verursachen. Die Veranstaltung steht im Zeichen des Wiesbadener Engagements für Erinnerung und Verantwortung.