Hanau-Anschlag 2020: Wie ein Dokumentarfilm die Stimmen der Angehörigen bewahrt
Brunhilde JesselWird Rassismus immer noch nicht ernst genommen? - Hanau-Anschlag 2020: Wie ein Dokumentarfilm die Stimmen der Angehörigen bewahrt
Ein neuer Dokumentarfilm rückt die Folgen des Hanau-Anschlags von 2020 wieder in den Fokus der Öffentlichkeit. Der Regisseur Marcin Wierzchowski begleitete fast fünf Jahre lang die Angehörigen der Opfer auf ihrem Weg um Gerechtigkeit. Ihr Kampf steht nun im Mittelpunkt von "Das deutsche Volk", einem Film, der sowohl persönlichen Verlust als auch systemische Versäumnisse thematisiert.
Bei dem von einem rechtsextremen Täter verübten Anschlag kamen neun Menschen ums Leben – sechs von ihnen im Arena-Bar in Hanau-Kesselstadt. Der Dokumentarfilm zeigt, wie die Hinterbliebenen ihre Trauer in Forderungen nach Aufklärung und Verantwortung verwandelten.
Am 19. Februar 2020 ermordete ein rassistisch motivierter Attentäter in zwei Shisha-Bars in Hanau neun Menschen mit Migrationshintergrund. Sechs der Opfer starben im Arena-Bar im Stadtteil Kesselstadt. Der Anschlag erschütterte Deutschland und legte offen, wie unzureichend Behörden mit rechtsextremer Gewalt umgehen.
In den folgenden Wochen begann Marcin Wierzchowski, die Erlebnisse der Angehörigen zu dokumentieren. Über viereinhalb Jahre hinweg hielt er ihre Trauer fest, ihre Frustration über die behördlichen Reaktionen und ihre wachsende Wut, weil sie das Gefühl hatten, die rassistischen Hintergründe der Tat würden verharmlost. Später schlossen sich die Familien zu einer Arbeitsgruppe zusammen, um Antworten zu fordern und Veränderungen einzuleiten, die künftige Anschläge verhindern sollen.
"Das deutsche Volk" feierte auf der Berlinale 2025 Premiere und gewann den Hessischen Filmpreis. Später wurde der Film auf 3sat ausgestrahlt und erreichte so ein breiteres Publikum. Der Dokumentarfilm begleitet nicht nur die persönlichen Schicksale der Angehörigen, sondern stellt auch unbequeme Fragen: Hätte der Anschlag verhindert werden können? Und wie haben Institutionen die Betroffenen im Stich gelassen?
Der Film gibt den Familien der Opfer eine Plattform, um Gerechtigkeit einzufordern und offizielle Darstellungen infrage zu stellen. Ihr Engagement hält die Debatte über rechtsextreme Gewalt und institutionelle Versäumnisse wach. Mit der Veröffentlichung des Films bleiben ihre Stimmen hörbar – lange nach dem Verblassen der ersten Schlagzeilen.