Hessen kämpft mit Stromausfällen: Sind wir vorbereitet auf den großen Blackout?
Sabotage, Überflutung, Blackout - Wie stabil ist das Stromnetz in Hessen? - Hessen kämpft mit Stromausfällen: Sind wir vorbereitet auf den großen Blackout?
Tausende Einwohner in Hessen mussten nach jüngsten Stromausfällen in Neu-Isenburg, Königstein und Bad Soden stundenlang ohne Elektrizität auskommen. Die Vorfälle haben die Sorgen über die Verwundbarkeit des Landes gegenüber großflächigen Blackouts neu entfacht. Behörden und Experten fordern nun stärkere Schutzmaßnahmen und eine bessere Krisenvorsorge.
Die Stromausfälle ereignen sich zu einem Zeitpunkt, an dem Hessens Katastrophenschützer vor den Risiken langandauernder Stromausfälle warnen. Solche Szenarien sind bereits Teil der Notfallstrategien des Landes, wobei über 100 Millionen Euro in die Modernisierung von Feuerwehren und Katastrophenschutzsystemen investiert wurden. Dennoch kritisieren Beobachter, dass die bisherigen Maßnahmen nicht ausreichen.
Manuel Atug, Gründer der Arbeitsgruppe Kritische Infrastrukturen, verweist auf die wachsenden Bedrohungen durch Sabotage, Unfälle und Naturkatastrophen. Ohne angemessenes Management, warnt er, könnte selbst ein lokaler Stromausfall zu einer überregionalen Krise eskalieren. Der geplante Gesetzentwurf zum Schutz Kritischer Infrastrukturen zielt zwar auf strengere Sicherheitsvorkehrungen für essenzielle Dienstleistungen ab, steht jedoch in der Kritik, überfällig zu sein und zu wenig weitreichend zu wirken. Innenminister Roman Poseck betont indes, Hessen sei vorbereitet, und verweist auf den Sicherheits- und Resilienzrat sowie robuste Notstromversorgungen. Gleichzeitig fordert er schärfere Kontrollen beim öffentlichen Zugang zu sensiblen Infrastrukturdaten.
Experten empfehlen zudem, die Telekommunikation vom Stromnetz zu entkoppeln, die physische Infrastruktur zu verstärken und Backup-Systeme in den Energienetzen auszubauen. Um die Krisenbereitschaft zu verbessern, hat das Land seit 2023 Schulungsprogramme für Katastrophenschutzteams und Verwaltungsmitarbeiter eingeführt. Bis Mitte 2026 sollen diese alle Landkreise und Städte abdecken. Ein Pilot-Seminar für Bürgermeister, das 2026 ausgeweitet wird, soll die lokale Koordination weiter stärken. Behörden betonen auch die Bedeutung der Eigenvorsorge und rufen die Bevölkerung auf, Vorräte anzulegen und wachsam zu bleiben.
Der Runde Tisch KRITIS und die Initiative UP KRITIS sollen die Zusammenarbeit zwischen Betreibern kritischer Infrastrukturen verbessern. Gleichzeitig setzen sich die Verantwortlichen für eine Null-Toleranz-Politik gegenüber Sabotage und eine konsequente Verfolgung von Angriffen auf essenzielle Dienstleistungen ein.
Hessen investiert weiterhin in Resilienz – von modernisierten Notfallsystemen bis hin zu strengeren Infrastruktur-Schutzvorkehrungen. Im Mittelpunkt steht dabei der Spagat zwischen Transparenz und Sicherheit, während sowohl der öffentliche als auch der private Sektor auf künftige Krisen vorbereitet werden sollen. Schulungsprogramme und Aufklärungskampagnen werden eine Schlüsselrolle für die langfristige Vorsorge spielen.
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