Hanau-Opfer Ibrahim Akkuş stirbt einsam nach jahrelangem Leiden und fehlender Hilfe
Klaas LübsHanau-Opfer Ibrahim Akkuş stirbt einsam nach jahrelangem Leiden und fehlender Hilfe
Ibrahim Akkuş, ein 70-jähriger Überlebender des rassistischen Anschlags von Hanau 2020, ist an den Spätfolgen seiner Schussverletzungen gestorben. Sein Leben endete in Isolation, Armut und Leid – mit kaum Unterstützung in seinen letzten Jahren. Familienangehörige, die sich ohne fremde Hilfe um ihn kümmerten, trauern nun um ihn.
Akkuş wurde am 19. Februar 2020 in der Arena Bar in Hanau achtmal angeschossen. Nach mehreren Operationen und monatelangem Krankenhausaufenthalt wurde er entlassen. Der Anschlag hinterließ ihn dauerhaft auf den Rollstuhl angewiesen, traumatisiert und gequält von Schlaflosigkeit, Wut und tiefer Traurigkeit.
Schon vor dem Attentat hatte er Jahrzehnte des Leidens durchstanden. In den 1970er-Jahren war er vor rechtsextremer Gewalt in der Türkei geflohen, sein Bruder wurde von Extremisten getötet, nachdem Deutschland sein Asylgesuch abgelehnt hatte. Trotz 46 Jahren, in denen er versuchte, sich in dem Land ein Leben aufzubauen, beschrieb er seine letzten Jahre als geprägt von Vereinsamung und Verzweiflung. Sechs Jahre verbrachte er in einer nicht barrierefreien Wohnung, aus der er kaum herauskam. Es gibt keine Aufzeichnungen darüber, dass ihm in Deutschland Organisationen oder Einzelpersonen Hilfe angeboten hätten. Stattdessen übernahmen seine Partnerin und seine 19-jährige Tochter rund um die Uhr seine Pflege – erschöpft und am Limit. Akkuş äußerte oft Schuldgefühle, eine Belastung zu sein, und fühlte sich von der Gesellschaft vergessen. Nach seinem Tod sprach die Stadt Hanau postum ihr Beileid aus. Beigesetzt wurde er auf dem Neuen Friedhof in Offenbach. Zurück bleibt eine Familie, die um sein Überleben kämpfte – unter immensen Entbehrungen.
Akkuş’ Tod folgt auf Jahre körperlichen und seelischen Leidens nach dem Hanauer Anschlag. Seine Angehörigen, die ihn allein versorgten, stehen nun vor den Folgen dieses Verlusts. Die spät erfolgte Würdigung der Stadt steht im krassen Gegensatz zu der fehlenden Unterstützung, die er zu Lebzeiten erfahren hat.