Frankfurts legendärer Club Voltaire steht vor dem Aus bis 2026
Frankfurts historischer Club Voltaire – seit den 1960er Jahren ein Symbol des politischen Aktivismus – soll bis Ende 2026 schließen. Die Entscheidung folgt gescheiterten Verhandlungen über die Verlängerung des Mietvertrags mit einem privaten Vermieter. Der 1962 von einem algerischen Unabhängigkeitskämpfer gegründete Club war jahrzehntelang ein Treffpunkt für Protestbewegungen und kulturellen Austausch.
Gegründet wurde der Club von Hocine Lahouel, einem Kämpfer der algerischen Nationalen Befreiungsfront (FLN). Von Anfang an entwickelte er sich zu einem Zentrum linker Politik und des Widerstands. Bereits 1964 besuchte die ostdeutsche Schriftstellerin Christa Wolf den Club für eine Lesung – einer von vielen grenzüberschreitenden Momenten während des Kalten Krieges.
Über die Jahrzehnte hinweg war der Club Voltaire Gastgeber internationaler Persönlichkeiten wie Mitglieder der US-amerikanischen Black-Panther-Bewegung, der Folksängerin Joan Baez oder des griechischen Komponisten Mikis Theodorakis. Er spielte auch eine zentrale Rolle bei der Gründung der deutschen Grünen und den Protesten gegen die Startbahn 18 West des Frankfurter Flughafens. Bis heute diente der Ort als Plattform für Vorträge, Konzerte und Filmvorführungen mit progressivem Anspruch. Trotz dieses Erbes steht der Club nun vor dem Aus – getrieben von steigenden Mieten und den Profitinteressen des Vermieters. Zwar war der Club in der Vergangenheit bereits Ziel rechtsextremer Angriffe, doch die aktuelle Bedrohung kommt aus ökonomischem Druck.
Frankfurts Oberbürgermeister Mike Josef (SPD) und die Kulturdezernentin Ina Hartwig (Grüne) unterstützen die Bemühungen, den Club zu retten. Der Vorstand drängt die Stadt, das Gebäude in der Kleinen Hochstraße 5 zu erwerben, um seine Zukunft zu sichern.
Die Schließung des Club Voltaire würde das Ende einer Institution bedeuten, die eng mit der politischen und kulturellen Geschichte Frankfurts verbunden ist. Stadtvertreter und Aktivist:innen suchen nun nach Wegen, sein Erbe zu bewahren. Ob dies gelingt, hängt davon ab, ob die Kommunalpolitik bis zum Stichtag 2026 eingreift.