Wirtschaftselite zersplittert: Soll die AfD aus der Isolation geholt werden?
Brunhilde JesselWirtschaftselite zersplittert: Soll die AfD aus der Isolation geholt werden?
In der deutschen Wirtschaftsspitze hat sich ein tiefer Graben aufgetan, wenn es um den Umgang mit der rechtspopulistischen Alternative für Deutschland (AfD) geht. Während große Wirtschaftsverbände weiterhin jede Zusammenarbeit mit der Partei ablehnen, fordern einige Unternehmer ein Ende des langjährigen Cordons sanitaire – einer politischen Blockadehaltung gegenüber extremistischen Parteien.
Die Debatte verschärfte sich, nachdem mehrere prominente Persönlichkeiten mit der traditionellen Linie brachen. Wolfgang Grupp, Geschäftsführer des Bekleidungsherstellers Trigema, argumentierte, der Ausschluss der AfD aus dem politischen Dialog untergrabe die Demokratie. Zwar unterstütze er Migration, doch eine Partei mit erheblichem Wählerzuspruch in einem offenen System auszuschließen, ergebe wenig Sinn, betonte er.
Caspar Brockhaus, Chef der Brockhaus-Gruppe, pflichtete dieser Meinung bei und behauptete, der Cordon sanitaire ersticke sowohl die Politik als auch die Wirtschaft. Die Unternehmerin Sarna Rößer kritisierte die Blockadehaltung als Ausdruck von Arroganz der etablierten Parteien und warf ihnen vor, damit die Anliegen der AfD-Wähler zu ignorieren.
Auf der anderen Seite bekräftigten einflussreiche Wirtschaftsvertreter ihre Ablehnung jeglicher Annäherung. Rainer Dulger, Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), bleibt konsequent in seiner Weigerung, mit rechtsextremen oder linksextremen Parteien zusammenzuarbeiten. Franz-Olaf Kallerhoff, Präsident des Markenverbands, warnte, dass ein Einfluss der AfD die soziale Marktwirtschaft in Deutschland gefährden könnte.
Dirk Jandura, Präsident des Bundesgroßhandel-, Außenhandel-, Dienstleistungs-Verbands (BGA), nahm eine bedingtere Haltung ein. Er erklärte, ein Dialog mit der AfD setze voraus, dass sich die Partei zunächst klar von Extremismus distanziere.
Der Konflikt spiegelt die größeren Spannungen in Politik und Wirtschaft wider. Während die großen Verbände am Cordon sanitaire festhalten, plädieren zunehmend Unternehmer für einen Austausch. Wie dieser Streit ausgeht, könnte maßgeblich prägen, wie sich Deutschlands Wirtschaftselite künftig zu aufstrebenden politischen Kräften positioniert.
