Wiesbadens Finanzarchitekt Dietrich Oedekoven mit 97 Jahren verstorben
Klaas LübsWiesbadens Finanzarchitekt Dietrich Oedekoven mit 97 Jahren verstorben
Dietrich Oedekoven, der einflussreiche Wiesbadener Stadtkämmerer von 1968 bis 1990, ist im Alter von 97 Jahren verstorben. Er starb am 12. März 2023, nur wenige Tage vor seinem 98. Geburtstag. Oedekoven spielte eine zentrale Rolle bei der Gestaltung der städtischen Finanzen in einer Zeit tiefgreifender Veränderungen und Expansion.
Unter seiner Führung wandelte Wiesbaden sein Haushaltsdefizit in stabile Überschüsse um. Seine Politik finanzierte Schlüsselprojekte wie die Rheinuferpromenade, die Sanierung des historischen Rathauses sowie Modernisierungen von Schulen und Straßen. Kollegen erinnerten sich an ihn als scharfsinnigen Finanzstrategen und Mann von unbestechlicher Integrität.
Geboren 1928 in Aachen, studierte Oedekoven Jura, Politikwissenschaft, Volkswirtschaft und Betriebswirtschaft. Bevor er nach Wiesbaden kam, sammelte er Erfahrungen im nordrhein-westfälischen Justizministerium und beim Deutschen Städtetag. Zudem war er als Bürgermeister und Finanzdezernent in Ludwigshafen tätig, wo er sich durch Präzision und Fairness einen Namen machte.
1968 zum Wiesbadener Stadtkämmerer berufen, arbeitete er unter vier Oberbürgermeistern: Rudi Schmitt, Georg-Berndt Oschatz, Hans-Joachim Jentsch und Achim Exner. Über 22 Jahre hinweg steuerte er die Stadt durch finanzielle Herausforderungen, indem er strenge Haushaltskontrollen durchsetzte. Seine Maßnahmen verwandelten Defizite von über 100 Millionen D-Mark in Überschüsse – bei gleichzeitig hoher Bonität der Stadt.
Oedekoven verband finanzielle Disziplin mit menschlicher Nähe. Als zugänglicher, aber entschlussfreudiger Manager genoss er trotz harter Entscheidungen das Vertrauen seiner Kollegen. Auch nach seinem Ruhestand 1990 blieb er der Stadt verbunden, gab Rat und pflegte Freundschaften mit ehemaligen Weggefährten.
Die Beisetzung findet im engsten Familienkreis statt, doch Wiesbaden würdigt sein Erbe öffentlich. Offizielle bezeichneten ihn als prägende Figur der modernen Stadtentwicklung, dessen finanzielles und administratives Wirken nachhaltig bleibt.
Oedekovens Karriere umfasste Jahrzehnte im öffentlichen Dienst, geprägt von finanziellem Sachverstand und Engagement für Wiesbaden. Seine Politik sicherte stabile Mittel für Infrastruktur, Bildung und Denkmalschutz. Die Stadt blickt heute auf sein Vermächtnis als Grundstein ihres Wachstums im späten 20. Jahrhundert zurück.






