Wiesbaden feiert PRIDE mit CSD-Umzug – doch Diskriminierung bleibt Alltag
Klaas LübsWiesbaden feiert PRIDE mit CSD-Umzug – doch Diskriminierung bleibt Alltag
Wiesbaden bereitet sich auf seine jährlichen PRIDE-Feierlichkeiten vor – ein dreitägiges Event, das am 30. Juli mit dem Christopher-Street-Day (CSD)-Umzug seinen Höhepunkt findet. Die Stadt hat in jüngster Zeit Schritte unternommen, um LSBTIQ+-Rechte anzuerkennen und zu stärken, darunter die Ehrung lokaler Aktivist:innen bei einem Empfang. Doch trotz Fortschritten sehen sich viele Bewohner:innen weiterhin mit Herausforderungen konfrontiert, von verbalen Angriffen bis hin zu oft ungemeldeter Diskriminierung.
Am 22. Juli luden Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende und die stellvertretende Bürgermeisterin Christiane Hinninger zur „Regenbogen-Rezeption“, um das Engagement von Einzelpersonen und Gruppen zu würdigen, die sich für mehr Sichtbarkeit der LSBTIQ+-Community einsetzen. Die Veranstaltung unterstrich das Bekenntnis der Stadt zu Toleranz und Akzeptanz – doch eine aktuelle kommunale Umfrage zeigt: Viele Betroffene berichten von abwertenden Kommentaren, feindseligen Blicken oder sogar Belästigungen. Gleichzeitig geben die meisten LSBTIQ+-Bürger:innen an, sich im Alltag grundsätzlich sicher zu fühlen.
Stellvertretende Bürgermeisterin Hinninger wies auf ein strukturelles Problem hin: Opfer von anti-LSBTIQ+-Gewalt oder Diskriminierung zeigten Vorfälle oft nicht an. Um dies zu ändern, will Wiesbaden die Zusammenarbeit mit dem Polizeipräsidium Westhessen ausbauen. Ziel ist es, Unterstützungsangebote sichtbarer und leichter zugänglich zu machen.
Im Vorfeld des CSD-Umzugs hat die Stadt ehrenamtliche Initiativen und Vereine zu einem Vernetzungstreffen ins Rathaus eingeladen. Die Veranstaltung, eine Woche vor der Demonstration, soll den Austausch und die Abstimmung zwischen den Gruppen fördern. Der diesjährige CSD steht unter dem Motto „Laut. Stolz. Unaufhaltsam. – Kein Schritt zurück!“ und startet am 30. Juli um 13 Uhr am Warmen Damm hinter dem Hessischen Staatstheater.
Die Feierlichkeiten fallen zusammen mit einem Jubiläum: AIDS-Hilfe Wiesbaden e.V. begehst 2024 sein 40-jähriges Bestehen. Die langjährige Arbeit der Organisation in der HIV/Aids-Beratung und LSBTIQ+-Advocacy bleibt eine wichtige Säule der lokalen Gemeinschaft.
Das dreitägige PRIDE-Event bringt Aktivist:innen, Verbündete und Bürger:innen zusammen, um Errungenschaften zu feiern – und gleichzeitig auf anhaltende Probleme aufmerksam zu machen. Mit verbesserter Polizeikooperation und sichtbareren Hilfsangeboten will Wiesbaden ein sicheres Umfeld für die LSBTIQ+-Community schaffen. Der CSD-Umzug am 30. Juli wird dabei sowohl ein Fest als auch ein Aufruf sein: für weiteren Einsatz und gegen Rückschritte.
