10 May 2026, 20:22

Wie Hindenburg 1926 den Weimarer Flaggenstreit eskalieren ließ

Deutsches Flagge über Text auf einem Plakat angezeigt.

Wie Hindenburg 1926 den Weimarer Flaggenstreit eskalieren ließ

Der Flaggenstreit im Deutschen Reich der Weimarer Republik erreichte im Mai 1926 einen Wendepunkt. Reichspräsident Paul von Hindenburg erließ die zweite Flaggenverordnung in dem Versuch, den langwierigen Konflikt um die nationalen Symbole beizulegen. Der Schritt folgte auf Jahre der Spannungen zwischen politischen Lagern, die jeweils unterschiedliche Farbkombinationen unterstützten.

Die Auseinandersetzung hatte tiefe Wurzeln: Die Rechte bevorzugte die alten kaiserlichen Farben Schwarz-Weiß-Rot, während die Linke und die Mitte die republikanische Trikolore Schwarz-Rot-Gold favorisierten. Ein Kompromiss der Nationalversammlung hatte beide Flaggen nebeneinander zugelassen – die Nationalflagge in Schwarz-Rot-Gold und die Handelsflagge, die Elemente beider Varianten vereinte. Doch die Spaltung blieb bestehen.

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1925 trat der Konflikt während der Reichspräsidentenwahl noch deutlicher zutage. Zwei Blöcke formierten sich: der „Schwarz-Rot-Gold-Volksblock“ und der „Schwarz-Weiß-Rot-Reichsblock“. Trotz Versöhnungsversuchen ebbte die Kontroverse nicht ab.

Hindenburg versuchte am 9. Mai 1926 mit einem offenen Brief, die Gemüter zu beruhigen. Er forderte eine verfassungsgemäße Lösung, um das Land unter einer gemeinsamen Flagge zu einen. Der Reichskunstwart Edwin Redslob erhielt den Auftrag, eine einheitliche „Reichsflagge“ zu entwerfen – doch kein Entwurf fand allgemeine Zustimmung.

Am 5. Mai 1926 unterzeichnete Hindenburg schließlich die zweite Flaggenverordnung. Sie verfügte, dass deutsche Botschaften und Konsulate außerhalb Europas sowohl die National- als auch die Handelsflagge hissen mussten. Doch viele deuteten die Maßnahme als gezielten Versuch, Linke und Mitte zum vollständigen Akzeptieren von Schwarz-Rot-Gold zu drängen. Der Streit zog sich bis 1933 hin und spiegelte die tieferen politischen Gräben der Weimarer Republik wider.

Der Flaggenkonflikt blieb bis zum Ende der Republik ungelöst – ein sichtbares Symbol für die zerrissene Nation. Erst mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 fand er ein Ende, allerdings unter Bedingungen, die alle vorherigen Kompromisse zunichtemachten.

Quelle