22 January 2026, 07:15

Wie die Buchmesse Frankfurt zur politischen Arena zwischen Zensur und Gegenprotest wurde

Ein offenes deutsches Handbuch mit farbigem Text und Beispielen auf seinen Seiten, vor einem dunklen Hintergrund.

Wie die Buchmesse Frankfurt zur politischen Arena zwischen Zensur und Gegenprotest wurde

Die Buchmesse Frankfurt, 1949 gegründet, verfolgte einst das Ziel, ein "neues geistiges Deutschland" aufzubauen – frei von Zensur und ideologischer Kontrolle. Doch im Laufe der Jahrzehnte verschob sich ihre politische Haltung, insbesondere nach 2015, was zu wachsenden Spannungen mit rechtspopulistischen Verlagen führte. Nun hat sich mit der Seitenwechsel eine Gegenveranstaltung etabliert, die direkt auf diese Entwicklungen reagiert.

Jahre lang hielt die Messeleitung an einer neutralen Position fest, selbst als es zu Vorfällen mit linksextremen Akteuren kam und konservative Verlage eine kleine Minderheit blieben. Doch ab 2015 veränderten die aufkommenden Migrationsdebatten und der Aufstieg der AfD die Stimmung. Zwei Jahre später, 2017, positionierten sich der Börsenverein des Deutschen Buchhandels und die Messeveranstalter erstmals öffentlich gegen rechtspopulistische Aussteller.

Die Buchhändlerin Susanne Dagen reagierte darauf mit der Charta 2017, in der sie die Vorgehensweise der Messe gegenüber diesen Verlagen kritisierte. 2018 verschärften sich die Restriktionen weiter: Rechtspopulistische Verlage wurden in einen separaten Bereich verwiesen. Die Pandemiejahre beschleunigten dann den Rückzug kleinerer, unabhängiger Verlage, während staatlich geförderte und politisch konforme Aussteller die Messe dominierten. Als Antwort organisierten Dagen und ihr Partner Michael Bormann die Seitenwechsel, eine alternative Buchmesse, die am 8. und 9. November 2025 in Halle (Saale) stattfand. Die Veranstaltung zog über 60 Aussteller an, darunter die Zeitschrift JUNGE FREIHEIT, und positionierte sich als Gegenentwurf zu Frankfurts zunehmend kontrollierter Atmosphäre.

Die Entwicklung der Buchmesse Frankfurt spiegelt die größeren politischen Verschiebungen in Germany wider – weg von offener Debatte hin zu strengerer ideologischer Abgrenzung. Die Seitenwechsel bietet unterdessen eine Plattform für Verlage, die durch diese Veränderungen an den Rand gedrängt wurden, und sichert ihnen so einen Platz in der literarischen Landschaft.