UniCredit greift Commerzbank an – 35-Milliarden-Deal spaltet Politik und Märkte
Klaas LübsUniCredit greift Commerzbank an – 35-Milliarden-Deal spaltet Politik und Märkte
UniCredit startet 35-Milliarden-Euro-Übernahmeangebot für Commerzbank und erschüttert den deutschen Finanzsektor
Am Montag startete UniCredit ein überraschendes Übernahmeangebot für die Commerzbank im Volumen von 35 Milliarden Euro und brachte damit Bewegung in den deutschen Finanzmarkt. Das unerwartete Angebot drehte die anfänglichen Kursverluste um und trieb den DAX trotz breiter Sorgen über steigende Ölpreise um 0,53 Prozent nach oben. Doch sowohl die Bundesregierung als auch die Gewerkschaften lehnen den Deal von Anfang an entschlossen ab.
Der Übernahmeversuch begann im September 2024, als UniCredit heimlich einen 9-Prozent-Anteil an der Commerzbank erwarb. Dies folgte auf den teilweisen Rückzug des Bundes aus seiner eigenen Beteiligung, die nun noch bei etwa 12 Prozent liegt. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) signalisierte umgehend Widerstand und betonte, man wolle eine "starke und unabhängige Commerzbank". Diese Haltung festigte sich am Montag, als UniCredit das freiwillige Übernahmeangebot offiziell bekannt gab – und damit eine wütende Reaktion aus Berlin provozierte.
Das Angebot bewertet die Commerzbank mit 30,80 Euro pro Aktie und bietet für jede Commerzbank-Aktie 0,485 neue UniCredit-Aktien an. Analysten sehen darin einen taktischen Zug des UniCredit-Chefs Andrea Orcel, um Commerzbank-Vorstandschefin Bettina Orlopp an den Verhandlungstisch zu zwingen. Doch der Widerstand ist breit: Sowohl die Gewerkschaft Verdi als auch der Betriebsrat der Commerzbank verurteilten das Angebot scharf und reihten sich damit in die Ablehnung der Bundesregierung ein, ihre verbleibende Beteiligung zu verkaufen.
Die Markt Reaktionen fielen gemischt aus. Zunächst hatten steigende Ölpreise den DAX ins Minus gedrückt, wobei zyklische Werte und Reiseunternehmen besonders betroffen waren. Bayer und Siemens Energy verzeichneten hingegen Gewinne. Bis zum Handelsschluss trieb das UniCredit-Angebot den Index jedoch auf 23.574 Punkte – immer noch unter seinem 50-Tage-Durchschnitt von 24.698. Händler beobachten nun zwei entscheidende Marken: Ein Fall unter 22.900 Punkte könnte weitere Verkäufe beschleunigen, während ein Anstieg über 24.000 auf eine nachhaltigere Erholung hindeuten würde.
Ein formelles Angebot wird für Mai erwartet, was noch Wochen für weitere Diskussionen lässt. Die Haltung der Bundesregierung bleibt unverändert, und die Führung der Commerzbank zeigt keine Anzeichen, auf das Angebot einzugehen.
Die Offerte hat eine Pattsituation zwischen UniCredits Expansionsplänen und dem Willen Berlins, die Übernahme zu blockieren, geschaffen. Da der DAX in der Nähe kritischer Unterstützungsniveaus notiert, könnte das Ergebnis auch das allgemeine Marktvertrauen beeinflussen. Vorerst bilden die 12-prozentige Bundesbeteiligung und der Gewerkschaftswiderstand eine feste Barriere gegen jede Übernahme.