Ulms Narren stürmen das Rathaus – Tradition seit dem Mittelalter lebt auf
Helga MüllerUlms Narren stürmen das Rathaus – Tradition seit dem Mittelalter lebt auf
Ulms Narren haben das Rathaus im Rahmen der jährlichen Fasnetsfeierlichkeiten übernommen
Der scherzhafte Staatsstreich leitet die "fünfte Jahreszeit" ein – eine langjährige Tradition in der Region. Selbst Oberbürgermeister Martin Ansbacher und Neu-Ulms Bürgermeisterin Katrin Albsteiger machten mit und schlüpften für den Anlass in Kostüme.
Die symbolische Machtübernahme begann mit dem Sturm der Narren auf das Rathaus, ein Ritual, das bis ins Mittelalter zurückreicht. Ulms Tradition der öffentlichen Eide und bürgerlichen Ausgelassenheit lässt sich bis ins Jahr 1345 zurückverfolgen, als vor den Stadtbewohnern erstmals ein öffentlicher Schwur abgelegt wurde. In diesem Jahr verkleidete sich Ansbacher als "Super Martin", während Albsteiger als Prinzessin Peach auftrat.
Die Kommunalpolitiker leisteten nur kurzen Widerstand. Stattdessen beteiligten sie sich an Limbo-Wettkämpfen, bildeten menschliche Pyramiden und beantworteten die Fragen der Narren. Trotz anfänglicher Versuche, ihre Position zu halten, gaben die Amtsträger schließlich nach – die Narren regieren nun bis zum Faschingsdienstag.
Das Ereignis ist tief in der lokalen Kultur verwurzelt und verbindet Humor mit Geschichte. Zwar sind die genauen Ursprünge der Fasnets-Übernahme unklar, doch die Tradition prägt bis heute Ulms Identität. Einwohner und Verantwortliche gleichermaßen feiern den vorübergehenden Machtwechsel als Teil des Festtreibens.
Bis zum Ende der Fasnet bleibt das Rathaus in der Hand der Narren. Der Staatsstreich unterstreicht Ulms Engagement, die jahrhundertealten Bräuche zu bewahren. Vorerst gilt: Die Narren regieren – zumindest bis zum Faschingsdienstag.






