19 December 2025, 16:21

The Truth

Vögel in der Mitte, Pflanzen unten, ein Weihnachtsbaum links, Gebäude im Hintergrund und Banner mit Text.

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Die Wahrheit

Teaser: Lebenslanger Bayer: Allgegenwärtig vor Weihnachten in Bayern ist das Gedicht „Heilige Nacht“ des nach wie vor beliebten Antisemiten Ludwig Thoma.

Jedes Jahr zu Weihnachten versammeln sich Bayern, um „Heilige Nacht“ zu rezitieren – ein Gedicht von Ludwig Thoma. Das Werk schildert die beschwerliche Reise von Maria und Josef nach Bethlehem, geprägt von Kälte und Abweisung. Doch die antisemitische Vergangenheit des Autors wirft seit Langem Fragen über sein Erbe in der Region auf.

Ludwig Thoma verfasste „Heilige Nacht“ vor über einem Jahrhundert, und bis heute ist es fester Bestandteil volkstümlicher Musikveranstaltungen in ganz Bayern. Zeilen wie „Im Wald is so staad / Alle Weg san vawaht“ malen ein eindringliches Bild vom Kampf des Paares durch Schnee und Dunkelheit. Das Gedicht endet mit „So hat die Nacht / Den Heiland bracht / Zu dieser Stund“, gefolgt von einem Aufruf zum Frieden.

Jeden Dezember trägt der Schauspieler Enrico de Paruta das Gedicht vor ausverkauften Häusern in München, Ingolstadt und Regensburg vor. Trotz seiner Beliebtheit hat Thomas gut dokumentierter antisemitischer Hass zu Forderungen geführt, Straßen und Schulen umzubenennen, die seinen Namen tragen. Allein in München tragen noch immer eine wichtige Durchgangsstraße und mehrere Einrichtungen seinen Namen.

Öffentlicher Widerstand hat die meisten Umbenennungsversuche blockiert. Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter hat wiederholt die Beibehaltung von Thomas Namen für eine zentrale Straße verteidigt. Kritiker argumentieren, die kulturelle Bedeutung des Gedichts dürfe die hasserfüllten Äußerungen seines Autors nicht überschatten.

Die Tradition, „Heilige Nacht“ zu rezitieren, bleibt ungebrochen – während die Debatten über Thomas Vermächtnis anhalten. Straßen und Schulen tragen weiterhin seinen Namen, ein Spiegel des schwierigen Spannungsfelds zwischen kulturellem Erbe und historischer Verantwortung. Vorerst bleibt das Gedicht ein fester Bestandteil der Festtagsbräuche – während die Kontroversen um seinen Schöpfer ungelöst bleiben.