06 June 2026, 22:22

Streit um Beleidigungsparagrafen: Soll § 188 fallen oder bleiben?

Koalition streitet über Abschaffung des §188

Streit um Beleidigungsparagrafen: Soll § 188 fallen oder bleiben?

Die Debatte über Deutschlands Beleidigungspolitik hat sich vor der kommenden Justizministerkonferenz in Hamburg nächste Woche weiter zugespitzt. Politiker sind uneins, ob die entsprechenden Paragrafen des Strafgesetzbuchs reformiert oder abgeschafft werden sollen – insbesondere jene, die Beleidigungen gegen Personen des öffentlichen Lebens unter Strafe stellen. Aktuelle Zahlen zeigen einen deutlichen Anstieg der Fälle: Die Ermittlungen wegen Beleidigungen gegen Politiker stiegen von 2.600 im Jahr 2025 auf heute 4.500.

Im Mittelpunkt der Diskussion stehen zwei Paragrafen des Strafgesetzbuchs: Paragraf 185 regelt allgemeine Beleidigungen, während Paragraf 188 speziell Beleidigungen gegen Politiker behandelt. Günter Krings (CDU) schlägt vor, die strengeren Strafen von Paragraf 188 auf Paragraf 185 auszuweiten, statt sie zu lockern. Gleichzeitig zeigt er sich offen dafür, Paragraf 188 vollständig zu streichen.

Constanze Geiert (CDU) plädiert dafür, Paragraf 185 zu reformieren und Paragraf 188 entweder abzuschaffen oder einzuschränken. Ihre Position steht im Kontrast zu Erik Marquardt (Grüne), der sich für eine Streichung von Paragraf 188 ausspricht, um die Meinungsfreiheit zu schützen. Ein jüngst verhandelter Fall, in dem eine Person wegen der Bezeichnung von Bundeskanzler Friedrich Merz als „Lügenfritz“ (Lügner) zu einer Geldstrafe verurteilt wurde, unterstreicht die praktische Anwendung des Gesetzes.

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Gegen die Abschaffung von Paragraf 188 wendet sich Carmen Wegge (SPD), die auf die zunehmenden Angriffe auf Amtsträger und Ehrenamtliche verweist. Auch Kathrin Wahlmann (SPD) spricht sich für die Beibehaltung der aktuellen Regelungen aus und kritisiert Pläne zur Streichung des Paragrafen. Die Angelegenheit wird nun auf der anstehenden Justizministerkonferenz in Hamburg beraten.

Die Minister werden prüfen, ob die Beleidigungsparagrafen beibehalten, reformiert oder abgeschafft werden sollen. Angesichts der stark gestiegenen Fallzahlen gegen Politiker könnte die Entscheidung weitreichende Folgen für die Abwägung zwischen Meinungsfreiheit und rechtlichem Schutz haben. Zudem könnte sie beeinflussen, wie Personen des öffentlichen Lebens künftig vor verbalen Angriffen geschützt werden.

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