24 January 2026, 20:51

Richard David Precht: Warum das ZDF an seinem umstrittenen Star festhält

Ein Mann im Anzug und Krawatte spricht vor einem unscharfen Hintergrund in ein Mikrofon, wahrscheinlich in Reaktion auf die Entscheidung des Obersten Gerichts, die Verwendung des russischen Außenministers Sergej Lawrow zu verbieten.

Richard David Precht: Warum das ZDF an seinem umstrittenen Star festhält

Richard David Precht bleibt einer der sichtbarsten öffentlichen Intellektuellen Deutschlands – trotz wiederholter Kontroversen. Der Philosoph und Bestsellerautor sah sich mit Gegenwind konfrontiert, etwa wegen seiner Äußerungen zu COVID-19-Impfungen, dem Ukraine-Krieg und Antisemitismus, behält aber weiterhin eine prominente Bühne beim ZDF. Sein neues Buch „Angststillstand: Warum die Meinungsfreiheit schwindet“ entfacht nun erneut die Debatte über die Grenzen offener Diskussionen.

Bekannt wurde Precht 2007 mit „Wer bin ich – und wenn ja, wie viele?“ – einem Bestseller, der seinen Ruf als Denker festigte, der komplexe Ideen mit massentauglicher Ansprache verbindet. Aufgewachsen in einem linksalternativen Milieu, studierte er Philosophie in Köln, bevor er seit 2012 die ZDF-Sendung „Precht“ moderiert.

Kritik begleitet ihn seit Jahren. 2021 führte seine Ablehnung von COVID-19-Impfpflichten für Kinder zu Vorwürfen, er positioniere sich im Lager der „Querdenker“ – ein Schlagwort für verschörungsideologische Kriegsgegner. Ein Jahr später unterzeichnete er das „Sofortiger Waffenstillstand!“-Manifest, das zu Verhandlungen im Ukraine-Krieg aufrief, woraufhin ihm einige vorwarfen, ein „Putin-Hofnarr“ zu sein. 2023 dann kostete ihn eine als antisemitisch bewertete Äußerung über orthodoxe Juden seine Ehrenprofessur. Das ZDF hält dennoch an Precht fest, verweist auf hohe Einschaltquoten seiner Formate wie „Logo! Nachrichten“ und argumentiert, seine Positionen seien zwar umstritten, überschritten aber nicht die Schwelle zu rechtlichen Konsequenzen und fielen unter die redaktionelle Freiheit. Kritiker werfen dem Sender dagegen Opportunismus vor – Zuhörerzahlen würden über Verantwortung gestellt.

In seinem neuen Buch behauptet Precht, die Meinungsfreiheit schwinde nicht durch Zensur, sondern durch selbstauferlegtes Schweigen. Diese These kommt zu einer Zeit, in der er selbst eine polarisierende Figur bleibt: von den einen als furchtloses Denker gefeiert, von anderen als Provokateur abgetan.

Prechts anhaltende Präsenz beim ZDF unterstreicht die Spannung zwischen freier Meinungsäußerung und Verantwortung im öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Sein jüngstes Werk erscheint mitten in der anhaltenden Diskussion, wo Kritik endet und Schaden beginnt. Vorerst zeigt sich: Die Stimme des Philosophen – gefeiert wie umstritten – wird so schnell nicht aus der öffentlichen Debatte verschwinden.