19 February 2026, 15:26

Rechtsextreme Gewalt kostete seit 1990 über 220 Menschen das Leben – doch der Staat erkennt nur die Hälfte an

Eine Gruppe von Menschen hält ein Transparent mit der Aufschrift "Öffnet die Grenzen, rettet Leben, kämpft gegen Faschismus" vor einem Gebäude mit Glasfenstern und einem Mast im Hintergrund. Auf der Straße befinden sich ein Fahrrad und eine Tasche.

Die viel zu lange Chronik rassisch motivierter Morde in Deutschland - Rechtsextreme Gewalt kostete seit 1990 über 220 Menschen das Leben – doch der Staat erkennt nur die Hälfte an

Rechtsextreme Gewalt in Deutschland hat weit mehr Menschen das Leben gekostet als offizielle Statistiken ausweisen. Seit 1990 wurden nach Angaben der Amadeu Antonio Stiftung mindestens 220 Menschen von Extremisten getötet. Doch die Bundesregierung erkennt in ihren eigenen Zahlen nur etwa die Hälfte dieser Fälle an – ein alarmierendes Zeichen für mangelnde Erfassung und fehlende Aufarbeitung.

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Die Amadeu Antonio Stiftung dokumentiert rechtsextreme Morde seit Jahrzehnten. Ihre im Mai 2018 aktualisierte Studie identifizierte mindestens 193 Opfer – die tatsächliche Zahl dürfte jedoch noch höher liegen. Demgegenüber anerkennt der Staat lediglich 113 Fälle als "staatlich anerkannte Opfer".

Einer der blutigsten Anschläge ereignete sich am 19. Februar 2020 in Hanau, als ein rechtsextrem motivierter Attentäter neun Menschen ermordete, bevor er sich selbst tötete. Das Massaker machte erneut die anhaltende Bedrohung durch extremistische Gewalt in Deutschland deutlich.

Die Stiftung kritisiert seit Langem die Diskrepanz zwischen ihren Erkenntnissen und den behördlichen Angaben. Während offizielle Stellen von einer "niedrigen dreistelligen Zahl" an Toten sprechen, werfen Aktivisten dem Staat vor, durch systematische Fehler bei der Einstufung und Aufklärung viele Fälle unberücksichtigt zu lassen.

Die Kluft zwischen unabhängiger Forschung und staatlichen Daten zeigt die anhaltenden Defizite bei der Bekämpfung rechtsextremer Gewalt. Mit mindestens 220 Toten seit der Wiedervereinigung deuten die Zahlen der Stiftung auf ein strukturelles Problem der Untererfassung hin. Gleichzeitig wachsen die Forderungen nach präziserer Dokumentation und Konsequenzen – während Angehörige der Opfer weiter auf Gerechtigkeit warten.