Rébecca Chaillon bricht mit La Parabole du Seum gesellschaftliche Tabus
Brunhilde JesselRébecca Chaillon bricht mit La Parabole du Seum gesellschaftliche Tabus
Rébecca Chaillon: Mit La Parabole du Seum bricht die gefeierte französische Regisseurin Tabus
Die renommierte französische Theaterregisseurin Rébecca Chaillon hat ihre neueste Inszenierung, La Parabole du Seum, präsentiert – ein Titel, der sprachspielend die französischen Begriffe für „Parabel“, „Satellitenschüssel“ und „Wut“ vereint. Das Stück taucht ein in das Leben einer Popikone und einer Astrophysikerin, die, wie Chaillon selbst, aus einem stigmatisierten Pariser Vorort stammen.
In Die Parabel der Säure betritt Julie Teuf als Supermarkt-Hostess die Bühne, begrüßt das Publikum und reicht Butter zum Probieren. Die Performance kreist um die Realitäten von Körpern und Identitäten dicker Menschen. Inspiriert von Octavia Butlers Roman Die Parabel des Sämanns lotet das Stück die Magie des Glaubens aus.
Ein zentrales Motiv ist die Waage: Sogar unter den Zuschauern wird eine Verlosung nach Körpergewicht durchgeführt. Die Darsteller:innen setzen sich mit ihren als „grenzüberschreitend“ empfundenen Körpern auseinander – sie entschuldigen sich dafür, gestehen ungewöhnliche Gewohnheiten wie das Trinken von Thunfischöl oder das Verstecken von Essen. Eine groteske Nachstellung der Castingshow The Biggest Loser mit absurden Szenen sorgte dafür, dass einige Besucher:innen den Saal verließen.
Die fast dreistündige Aufführung ist unkonventionell, berührend, mitunter zäh – doch sie hinterlässt Spuren. Chaillon, bekannt für ihre Auseinandersetzung mit Diskriminierung und Identität, schafft ein mutiges, provokantes Werk. Es stellt Normen infrage und regt zur Reflexion über gesellschaftliche Wahrnehmungen von Körpergewicht und Glauben an. Ein Beweis dafür, warum sie als Kultfigur des französischen Theaters gilt.
