Nach Missbrauchs-Skandal: Expertenkommission in Vorbereitung
Nach Missbrauchsskandal: Expertenkommission in Vorbereitung
Teaser: Die Mitgliederversammlung des Deutschen Turner-Bundes wählt einen Nachfolger für die zurückgetretene Vizepräsidentin Ulla Koch. Wie geht es weiter im Stuttgarter Missbrauchsskandal?
Artikel: Der Deutsche Turner-Bund (DTB) bereitet die Einleitung einer unabhängigen Untersuchung zu Missbrauchsvorwürfen ehemaliger Turner:innen vor. Die Ermittlungen können jedoch erst beginnen, sobald die Staatsanwaltschaft ihre eigenen Untersuchungen abgeschlossen hat. Unterdessen hat der Verband Führungswechsel vorgenommen und neue Schutzmaßnahmen eingeführt.
Der DTB positioniert sich zudem klar gegen die Rückkehr russischer und belarussischer Athlet:innen in internationale Wettbewerbe – selbst unter neutraler Flagge.
Im April war Ulla Koch vom DTB-Präsidium zurückgetreten, nachdem Missbrauchsvorwürfe in Verbindung mit den Trainingszentren in Stuttgart und Mannheim bekannt geworden waren. Ihre Nachfolge trat Jürgen Garziella an, ein ehemaliger Bundesliga- und Nationalmannschaftsturner, der nun als neuer Vizepräsident amtiert.
Um den Schutz von Sportler:innen zu stärken, hat der DTB seine Satzung überarbeitet. Im Rahmen des Safe-Sport-Konzepts wurden zwei unabhängige Gremien eingerichtet: eines zur Aufklärung von Fehlverhalten, ein weiteres zur Verhängung von Sanktionen. DTB-Präsident Alfons Hölzl bestätigte, dass die eigene Expertenkommission des Verbandes erst nach Abschluss der staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen berufen werden könne. Trotz der Verzögerung versicherte er, dass alle Vorbereitungen getroffen seien, um die Arbeit der Kommission unmittelbar nach Ende des juristischen Verfahrens aufzunehmen.
Zur Frage russischer und belarussischer Athlet:innen kritisierte Hölzl die Kriterien für die Vergabe eines „neutralen“ Status. Als Beispiel nannte er die russische Turnerin Angelina Melnikowa, an der sich die unklaren Maßstäbe zeigten. Zwar akzeptiere der DTB die mögliche Wiederzulassung einzelner Sportler:innen, lehne aber die Teilnahme ganzer Mannschaften aus Russland und Belarus als Neutrale entschieden ab. Hölzl deutete an, dass die Europäische Turnunion (UEG) ihre Restriktionen für diese Athlet:innen bald lockern könnte.
Die unabhängige Untersuchung des DTB zu den Missbrauchsvorwürfen bleibt bis zum Abschluss der staatsanwaltschaftlichen Prüfung ausgesetzt. Sobald grünes Licht gegeben wird, nimmt die Expertenkommission ihre Arbeit auf – gestützt durch die neuen Schutzstrukturen des Verbandes.
Gleichzeitig setzt sich die Organisation weiterhin gegen die Rückkehr russischer und belarussischer Mannschaften im internationalen Turnsport ein. Ihre Haltung spiegelt die breiten Bedenken hinsichtlich Fairness und Transparenz im Prozess der Neutralen-Status-Vergabe wider.