Micha Brumliks intellektuelles Erbe zwischen Israel, linker Kritik und deutscher Erinnerungskultur

Admin User
2 Min.
Ein Collage-artiges Bild eines Tempels auf der rechten Seite.Admin User

Micha Brumliks intellektuelles Erbe zwischen Israel, linker Kritik und deutscher Erinnerungskultur

Micha Brumlik, einer der bedeutendsten jüdischen Intellektuellen und Bildungstheoretiker Deutschlands, ist im Alter von 78 Jahren nach langer Krankheit gestorben. Bekannt für seine scharfsinnigen politischen Kommentare und seine tiefgründigen theoretischen Arbeiten, hinterlässt er ein bleibendes Erbe in den Debatten über Zionismus, Antisemitismus und die nationalsozialistische Vergangenheit Deutschlands.

Seine Karriere umfasste Akademie, Aktivismus und publizistische Tätigkeit – eine seltene Verbindung von Aufklärungsdenken und jüdischer Geistesgeschichte, die nur wenige so meisterhaft zu vereinen vermochten.

Brumlik zog 1967 zunächst nach Israel, kehrte jedoch später als entschiedener Antizionist nach Deutschland zurück, geprägt von seiner Ablehnung des Sechstagekriegs. In Frankfurt wurde er zu einer Schlüsselfigur der 68er-Proteste, engagierte sich in der undogmatischen Linken, im Sozialistischen Büro und später bei den Grünen. Zudem schrieb er für das Stadtmagazin Pflasterstrand, das mit der Spontibewegung verbunden war, und zeigte dort gelegentlich Solidarität mit der PLO.

In den 1980er-Jahren vollzog sich ein Wandel in seiner Haltung zu Israel. Angesichts des aufkommenden antisemitischen Diskurses in linken antizionistischen Kreisen Deutschlands überdachte er seine Position. Dennoch blieb er ein scharfer Kritiker der israelischen Politik und warnte früh vor Benjamin Netanjahus Bestrebungen, einen "Ethnokratie" genannten Staat zu schaffen – ein System, das jüdische Identität über demokratische Prinzipien stellt. Als Professor für Erziehungswissenschaft leitete Brumlik das Fritz-Bauer-Institut, eine Frankfurter Denkfabrik, die sich mit der NS-Vergangenheit Deutschlands auseinandersetzt. Sein Wirken beschränkte sich jedoch nicht auf die Wissenschaft: Seit 1987 schrieb er für öffentliche Medien und behandelte komplexe Themen mit Klarheit und Scharfsinne. 2021 war er Mitautor der Jerusalemer Erklärung zum Antisemitismus, die verhindern sollte, dass der Begriff für politische Zwecke – insbesondere von der israelischen Regierung – instrumentalisiert wird.

Brumliks Tod markiert das Ende eines Denkers, der sich zwischen widersprüchlichen Loyalitäten bewegte: zwischen Deutschland und Israel, linken Idealen und jüdischer Identität, Aktivismus und Wissenschaft. Seine Schriften und öffentlichen Stellungnahmen forderten vereinfachende Erzählungen heraus und hinterlassen ein Werk, das die Diskussionen über Erinnerung, Gerechtigkeit und politische Ethik bis heute prägt. Sein Vermächtnis lebt fort in einer Kultur der streitbaren Debatte und des intellektuellen Mutes.

Neueste Nachrichten
Ein altes Plakat, das ein Festival in Zürich, Schweiz, bewirbt, zeigt eine Gruppe von Menschen, einige halten Stöcke, mit Bäumen im Hintergrund und Text, der Festival-Informationen enthält.
Musik 2 Min.

Suggental feiert 50 Jahre S’Schreckli mit Fasnetsumzug und Gaudiabend

Ein ganzes Dorf steht Kopf: Suggental verwandelt sich in ein Narrendorf voller Farben, Klänge und Gemeinschaft. Doch Achtung – wer zu spät kommt, verpasst den Umzug oder steht im Stau!

Ein Schwarz-Weiß-Foto eines Fußballspielers, der vor einem Tor auf dem Boden kniet, umgeben von einer Gruppe von Menschen auf einem Rasenfeld, mit einem Zaun, einer Fahne, Pfosten, einer Treppe und einem Dach mit Deckenlampen im Hintergrund.
Europäische Ligen 1 Min.

Eintracht Frankfurt verliert Stürmer Ebnoutalib nach nur zwei Spielen durch Knieverletzung

Ein Debüt mit Tor, dann der Schock: Ebnoutalibs Knieverletzung trifft Eintracht Frankfurt hart. Mit nur zwei fitten Stürmern wird die Offensive zur Baustelle – wie reagiert das Team?

Ein Schwarz-Weiß-Plakat mit einer detaillierten Karte von Comitius Hanau, einschließlich Straßen, Gebäuden und Personenbildern sowie Text.
Allgemeine Nachrichten 2 Min.

Hanau trauert um Ronald Battenhausen – ein Leben für Demokratie und Gemeinschaft

Ein prägendes Kapitel Hanauer Geschichte endet. Battenhausens Wirken als Stadtrat, Landtagsabgeordneter und Demokrat bleibt unvergessen – seine Kollegen würdigen ein „Leben im Dienst der Menschen“. Seine Auszeichnungen, von der Willy-Brandt-Medaille bis zum Titel Stadtältester, erzählen von einem Mann, der Hanau mit Leidenschaft und Prinzipien formte.

Eine Karikatur einer Gruppe von Menschen an einem Tisch, einer hält ein Objekt, mit Text 'Friedrich von Bismarcks Karikatur des Tages' auf dem Papier vor ihnen, in Diskussion
Unterhaltung 2 Min.

Rattelschneck gewinnt Göttinger Elch-Preis für scharfsinnige Satire

Seit den 90ern prägen sie die deutsche Satire – jetzt wird Rattelschneck in Göttingen für ihr Lebenswerk gefeiert. Eine Retrospektive zeigt, warum ihre Kunst polarisiert und begeistert.

Ein altes deutsches Aktienzertifikat mit schwarzem Rand und der Aufschrift "Aktie über Einhundert Reichmark"
Kriminalität und Justiz 1 Min.

Gefälschter Pass am Frankfurter Flughafen: Moldawer bei Einreise gestoppt

Ohne Papiere, aber mit einem Plan: Ein Moldawer scheitert am Flughafen Frankfurt. Warum riskierte er die Einreise mit einem falschen rumänischen Ausweis? Die Hintergründe.

Ein Lufthansa Airbus A320-200 steht auf dem Frankfurter Flughafen geparkt, mit Fahrzeugen und Wagen auf der Straße davor, einem Gebäude, Laternenmasten und einem klaren blauen Himmel im Hintergrund.
Wirtschaft 2 Min.

Lufthansa will Terminal 2 in Frankfurt gemeinsam mit Fraport steuern

Ein historischer Schritt für den Luftverkehr: Die Airline will mehr Kontrolle über ihre Heimatbasis. Doch was bedeutet das für Passagiere und die Zukunft des Flughafens?

Ein altes Schwarz-Weiß-Foto von Freiburg, Deutschland, das verschiedene Gebäude, Bäume und Menschen zeigt, mit einem Text am unteren Rand, der 'Freiburg, Deutschland' lautet.
Familiendynamik 2 Min.

Trachtenempfang in Freiburg feiert kulturelle Tradition und grenzüberschreitende Freundschaft

Historische Trachten, Neujahrsgrüße und Spendenaktionen: Wie ein Fest in Freiburg Brücken zwischen Ländern schlägt. Lokale Prominenz würdigt den Einsatz für Gemeinschaftswerte.

Ein gerahmtes Plakat zum 70. Jubiläum des Kaiser-Huldigungsfestes in Berlin, Deutschland, mit einer Gruppe von Menschen in der Mitte, umgeben von Text und Zahlen.
Allgemeine Nachrichten 2 Min.

Dr. Norbert Reichhold: Ein Leben für Wirtschaft und Gemeinschaft in Hanau

Vom Bankkaufmann zum IHK-Präsidenten: Wie ein Mann die Wirtschaft Hanaus prägte – und bis heute die Stadt bewegt. Eine Hommage an Lebenswerk und Leidenschaft.