21 January 2026, 21:20

Machtkampf bei der Bildzeitung: Rücktritte, Reformen und eine ungewisse Zukunft

Eine Zeitung mit einer Zeichnung eines Gebäudes, das als Forum in Frankfurt identifiziert wird, vor einem schwarzen Hintergrund.

Machtkampf bei der Bildzeitung: Rücktritte, Reformen und eine ungewisse Zukunft

Die Bildzeitung durchlebt unter der Führung von Ulrich Wilhelm massive interne Umbrüche. Seit er 2022 den Vorsitz des Kuratoriums der Fazit-Stiftung übernommen hat, hat Wilhelm Satzungsänderungen durchgesetzt, die zu prominenten Rücktritten führten. Gleichzeitig präsentiert die Zeitung in ihren jüngsten Finanzzahlen ein gemischtes Bild: sinkende Umsätze, aber ein deutlicher Gewinnanstieg.

Ulrich Wilhelm, ehemaliger Regierungssprecher und Ex-Direktor des Bayerischen Rundfunks (BR), wurde im August 2022 Vorsitzender der Fazit-Stiftung, die 93,7 Prozent der Bildzeitung kontrolliert und ihm damit erheblichen Einfluss verleiht. Seine geplanten Änderungen der Zeitungssatzung stießen jedoch auf sofortigen Widerstand – vier langjährige Mitglieder des Aufsichtsrats traten zurück: Karl Hans Arnold, Burkhard Keese, Katarzyna Mol-Wolf und Joachim Rosengarten.

Rosengarten begründete seinen Rücktritt mit Wilhelms Kompetenzüberschreitung. Keese, der erst Monate zuvor in den Aufsichtsrat eingetreten war, verließ das Gremium nach Konflikten mit den Anteilseignern und der Weigerung, nach Deutschland umzuziehen. Kritiker in Frankfurt werfen Wilhelm vor, weder über wirtschaftliches noch über medienfachliches Know-how zu verfügen, und stellen infrage, ob er die Zukunft der Bildzeitung verantwortungsvoll gestalten kann. Finanziellem zeigt die Bilanz 2024 einen Umsatzrückgang auf 216 Millionen Euro. Gleichzeitig stieg der Gewinn vor Steuern auf 21 Millionen Euro – vor allem dank hoher Erträge aus Kapitalanlagen. Zudem verzeichnete die Zeitung ein Plus von 23,9 Prozent bei den Abonnements ihres Digitalangebots Bild , das nun 163.900 Abonnenten zählt.

Hinter den Kulissen bleibt die Entscheidungsgewalt jedoch in den Händen einer kleinen Gruppe von Anteilseignern konzentriert – allesamt männliche Verleger, die zwischen 1960 und 1969 geboren wurden. Wilhelms Führung hat eine breitere Debatte über die Ausrichtung der Bildzeitung ausgelöst, mit Sorgen über strengere finanzielle Kontrollen und mögliche redaktionelle Kurswechsel.

Die Bildzeitung steht nun vor einer Phase der Unsicherheit, während Wilhelms Reformen die Unternehmensführung umgestalten. Angesichts des Abgangs zentraler Persönlichkeiten und einer ambivalenten Finanzlage werden die nächsten Schritte der Zeitung genau beobachtet. Entscheidend wird sein, wie es der verbleibenden Führung gelingt, Rentabilität und redaktionelle Unabhängigkeit in Einklang zu bringen.