Lufthansa streicht 4.000 Stellen – doch die Gewerkschaften drohen mit Arbeitskämpfen
Carina KrauseLufthansa streicht 4.000 Stellen – doch die Gewerkschaften drohen mit Arbeitskämpfen
Die Lufthansa hat Pläne bekannt gegeben, bis 2030 rund 4.000 Verwaltungsstellen abzubauen – als Teil einer Initiative zur Digitalisierung und Automatisierung. Die Ankündigung fällt in eine Phase anhaltender Tarifkonflikte mit zwei großen Gewerkschaften und weckt Befürchtungen vor möglichen Streiks in den kommenden Monaten.
Die Fluggesellschaft, die weltweit derzeit etwa 103.000 Mitarbeiter beschäftigt, betont, dass die Kürzungen vor allem Management- und Backoffice-Positionen betreffen sollen, nicht jedoch das operative Personal.
Die Stellenstreichungen sind Teil eines umfassenden Effizienzprogramms der Lufthansa, mit dem die bereinigte operative Gewinnmarge bis 2028 auf 8 bis 10 Prozent gesteigert werden soll. Künstliche Intelligenz und digitale Werkzeuge sollen eine Schlüsselrolle dabei spielen, Prozesse zu optimieren und den Bedarf an bestimmten Verwaltungsstellen zu verringern.
Unterdessen spitzen sich die Konflikte mit den Gewerkschaften zu. Die Gewerkschaft ver.di, die rund 20.000 Bodenmitarbeiter vertritt, fordert eine Lohnerhöhung von 6 Prozent sowie einen zusätzlichen monatlichen Betrag von 250 Euro für geringverdienende Beschäftigte. Für den Fall, dass die Verhandlungen nicht vorankommen, wurden Warnstreiks angedroht.
Ein separater Streit mit der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) dreht sich um Rentenansprüche und Flottenzusagen. Zwar hat die VC im September 2025 durch eine Mitgliederabstimmung die Streikbereitschaft bestätigt, doch wurden bisher keine Arbeitsniederlegungen ausgerufen. Nach deutschem Arbeitsrecht müssen Gewerkschaften zunächst alle Verhandlungsmöglichkeiten ausschöpfen, eine erfolgreiche Urabstimmung durchführen – in der Regel mit einer Zustimmung von 55 bis 75 Prozent – und oft Warnstreiks abhalten, bevor es zu einem vollen Arbeitskampf kommt.
Beobachter gehen davon aus, dass die Lufthansa noch Zeit hat, ein verbessertes Angebot vorzulegen, bevor es zu Streiks kommt. Die aktuelle Urabstimmung der Piloten endet am Dienstag; für die Genehmigung möglicher Arbeitsniederlegungen bei der Lufthansa und ihrer Frachttochter ist eine Zustimmung von mindestens 70 Prozent erforderlich.
Die Kostensenkungsmaßnahmen und finanziellen Ziele der Airline hängen maßgeblich von der digitalen Transformation ab. Sollten die Tarifkonflikte ungelöst bleiben, könnten Streiks den Betrieb bei Lufthansa und ihrer Frachtsparte beeinträchtigen.
Bisher wurden keine unmittelbaren Streikaktionen angekündigt, doch das Ergebnis der Pilotenabstimmung und die weiteren Gespräche mit ver.di werden die nächsten Schritte bestimmen.