14 January 2026, 11:47

Hessens vergessener Bildungsurlaub: Warum kaum einer die fünf bezahlten Tage nutzt

Ein Plakat mit einem Gebäude und Windmühlen im Hintergrund und dem Text "28 1% Anstieg von US-Studenten, die im Ausland in Griechenland studieren".

Weniger als ein Prozent nutzt Bildungsfreistellung - Hessens vergessener Bildungsurlaub: Warum kaum einer die fünf bezahlten Tage nutzt

Seit 1975 haben Arbeitnehmer:innen in Hessen Anspruch auf fünf bezahlte Tage Bildungsurlaub pro Jahr. Doch weniger als ein Prozent der anspruchsberechtigten Arbeitnehmer:innen macht von diesem Recht tatsächlich Gebrauch. Trotz der langjährigen Existenz bleibt das Angebot weitgehend unbekannt und wird im gesamten Bundesland kaum genutzt.

Das Gesetz ermöglicht es Arbeitnehmer:innen in Hessen, bis zu fünf bezahlte Tage pro Jahr für anerkannte Weiterbildungen zu nehmen. Diese können berufliche Fähigkeiten, persönliche Entwicklung oder allgemeine Bildungsthemen umfassen. Dennoch ist die Inanspruchnahme extrem gering – die meisten Beschäftigten wissen entweder nichts von diesem Anspruch oder zögern, ihn zu beantragen.

Stand 6. November 2025 gibt es 899 zugelassene Einrichtungen, die rund 6.300 verschiedene Kurse anbieten. Voraussetzung ist, dass die Weiterbildung vom Hessischen Ministerium für Soziales und Integration genehmigt wird. Doch selbst bei diesem breiten Angebot schränken betriebliche Kultur, persönliche Gründe und mangelnde Aufklärung die Teilnahme weiter ein. Das Programm wurde vor fast 50 Jahren eingeführt, um lebenslanges Lernen zu fördern. Doch sein Nischendasein und die geringe Bewerbung führen dazu, dass viele Arbeitnehmer:innen es gar nicht in Betracht ziehen. Auch Arbeitgeber:innen tragen eine Mitverantwortung, da manche ihre Mitarbeiter:innen davon abhalten, das Angebot zu nutzen.

Der Bildungsurlaub in Hessen bleibt eines der am wenigsten genutzten Arbeitsrechte in Deutschland. Da nur ein winziger Bruchteil der Beschäftigten daran teilnimmt, bleibt die Wirkung des Programms begrenzt. Solange sich weder das Bewusstsein für das Angebot verbessert noch die Einstellung in den Betrieben ändert, wird sich an der geringen Nutzung voraussichtlich wenig ändern.