Hessens Schulen kämpfen mit maroden Gebäuden und Milliardenlücken in der Finanzierung
Carina KrauseHessens Schulen kämpfen mit maroden Gebäuden und Milliardenlücken in der Finanzierung
Schulen in ganz Hessen leiden unter massiven Finanzierungsengpässen – das geht aus einer aktuellen Analyse der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hervor. Die Organisation warnt, dass marode Schulgebäude und ungleiche Investitionen Lehrerinnen, Lehrer sowie Schülerinnen und Schüler in prekären Bedingungen zurücklassen. Nun fordert die GEW die Landesregierung auf, dringend zu handeln und Milliarden an zusätzlichen Mitteln bereitzustellen.
Kritik übt die GEW insbesondere an der hessischen Landesregierung, die es versäumt habe, transparente Daten zur Situation der Schulen vorzulegen. Ohne belastbare Zahlen sei eine sinnvolle Planung von Sanierungen und Modernisierungen schlicht unmöglich, betont der Gewerkschaftsvorsitzende Maic Masuch. Die Behörden kämen ihrer verfassungsmäßigen Pflicht nicht nach, flächendeckend gleiche Standards zu gewährleisten.
Besonders betroffen sind Schulen in Nordhessen, wo viele Einrichtungen unter veralteten und teils unsicheren Gebäuden leiden. Gleichzeitig klaffen die Investitionen zwischen den Landkreisen weit auseinander: Während der Hochtaunuskreis zwischen 1992 und 2023 durchschnittlich 1.503 Euro pro Schülerin und Schüler in Bau und Instandhaltung steckte, waren es in Kassel im gleichen Zeitraum nur 323 Euro.
Laut GEW werden mindestens sechs Milliarden Euro benötigt, um die Schulen in Hessen zu modernisieren. Die Kommunen, die den Großteil der Kosten tragen müssen, können die notwendigen Maßnahmen jedoch nicht allein finanzieren. Zwar erhalten sie voraussichtlich etwa 70 Prozent der Bundesmittel für Infrastruktur – doch die Lücken bleiben enorm. Die Gewerkschaft drängt daher darauf, dass die landeseigene WIBank drei Milliarden Euro an zinsgünstigen Krediten für Sanierungen und Neubauten bereitstellt.
Zusätzlich steigt die Nachfrage nach Ganztagsbetreuung, was die Haushalte weiter belastet. Die GEW warnt: Ohne deutliche zusätzliche Mittel werden viele Schulen weiter verfallen – mit der Folge, dass Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte in unzumutbaren Verhältnissen arbeiten und lernen müssen.
Die Forderungen der GEW offenbaren tiefe Ungleichheiten bei der Schulfinanzierung in Hessen. Die Kommunen sind auf Unterstützung von Land und Bund angewiesen, doch die Investitionen bleiben ungleich verteilt. Ohne ein massives finanzielles Engagement, so die Gewerkschaft, werde sich der desolate Zustand vieler Schulen auch in den kommenden Jahren nicht verbessern.