Experten fordern: Natürliche Infrastruktur soll als kritische Infrastruktur anerkannt werden
Helga MüllerExperten fordern: Natürliche Infrastruktur soll als kritische Infrastruktur anerkannt werden
Ein Expertengremium, das die deutsche Bundesregierung berät, fordert die rechtliche Anerkennung natürlicher Infrastruktur als kritische Infrastruktur. Der Wissenschaftliche Beirats der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU) veröffentlichte am Freitag einen Bericht, in dem dieser Schritt empfohlen wird. Darin wird argumentiert, dass Ökosysteme wie Seen, Wälder und Moore für den Zivilschutz unverzichtbar sind und ähnlich wie Straßen oder Energienetze geschützt werden müssen.
Das Bundesinnenministerium definiert kritische Infrastruktur derzeit als Einrichtungen, die für das Funktionieren der Gesellschaft essenziell sind – etwa Verkehrswege, Schienennetze oder Stromversorgung. Der WBGU plädiert nun dafür, diese Definition um natürliche Infrastruktur zu erweitern. Ökosysteme bieten Schutz vor Hitzewellen, Pandemien und Extremwetter und bilden damit die Lebensgrundlage sowie eine Säule der öffentlichen Sicherheit.
Der Bericht schlägt eine bundesweite Erfassung zentraler Naturräume vor. Zudem wird der Aufbau von Frühwarnsystemen empfohlen, um schleichende Ökosystemdegradation frühzeitig zu erkennen. Zur Finanzierung dieser Maßnahmen regen die Autoren sowohl öffentliche als auch private Mittel an und verweisen darauf, dass Unternehmen angesichts wachsender Risikobewusstseins zunehmend in Klimaschutz investieren.
Der WBGU rät darüber hinaus zu einem globalen Umstieg auf erneuerbare Energien wie Solar- und Windkraft. Als zentrale Gründe werden wirtschaftliche Vorteile, geringere Emissionen und eine größere Energieunabhängigkeit genannt. Auch in der militärischen Ausbildung sollte das Bewusstsein für Umweltgefahren verankert werden, wobei der Nationale Sicherheitsrat den Schutz natürlicher Infrastruktur priorisieren solle.
Der Bericht unterstreicht die Bedeutung von Ökosystemen für die zivile Verteidigung und dringt auf eine rechtliche Anerkennung ihres kritischen Status. Er skizziert Finanzierungs-, Überwachungs- und Politikmaßnahmen zum Schutz natürlicher Infrastruktur, um die Widerstandsfähigkeit gegen wachsende Umweltbedrohungen zu stärken.
