31 January 2026, 00:59

Europas Lithium-Autobahn: Wie Brasilien und Portugal China aus der Batterie-Lieferkette drängen

Ein Nahaufnahme eines Stoffetiketts mit dem Text "L.P. Hollander & Co" darauf, was wahrscheinlich ein Kleidungsstück von der Firma angibt.

Europas Lithium-Autobahn: Wie Brasilien und Portugal China aus der Batterie-Lieferkette drängen

Europa bemüht sich, seine Abhängigkeit von chinesischem Lithium zu verringern, während die Nachfrage nach Batterien für Elektrofahrzeuge steigt. Doch die eigenen Abbau- und Verarbeitungskapazitäten bleiben begrenzt. Der niederländische Zulieferer AMG Critical Materials hat nun Pläne für eine "Lithium-Autobahn" vorgestellt, die Brasilien, Portugal und Deutschland verbinden und China komplett aus der Lieferkette ausschließen soll.

Aktuell fördert AMG in Brasilien Spodumen-Konzentrat, lässt es aber in China zu Lithiumhydroxid verarbeiten. Das raffinierte Material wird anschließend nach Deutschland verschifft, wo es im Werk Bitterfeld zu Lithiumhydroxid für E-Auto-Batterien weiterverarbeitet wird. Doch die Anlage wird ihre volle Kapazität von 20.000 Tonnen erst Ende 2026 erreichen – mit zwei Jahren Verspätung.

Um China zu umgehen, plant AMG, das brasilianische Spodumen künftig in Portugal zu verarbeiten. Die Barroso-Lagerstätte dort verfügt über mehr als 39 Millionen Tonnen Lithiumreserven – die größten Europas. Neue Raffinerien vor Ort würden die deutsche Produktion von AMG direkt beliefern und so eine vollständig europäische Wertschöpfungskette schaffen.

Der Strategiewechsel erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem Europa nach Alternativen zur chinesischen Vorherrschaft in der Lithiumverarbeitung sucht. Da es derzeit kaum eigenen Abbau und kaum eigene Raffination gibt, könnten Projekte wie das von AMG die künftige Versorgung mit Batterierohstoffen sichern.

Die geplante Lithium-Route von AMG würde brasilianische Minen mit portugiesischen Raffinerien und deutschen Batteriewerken verbinden. Gelingt das Vorhaben, könnte das Netzwerk die Abhängigkeit Europas von chinesischer Verarbeitung verringern. Die verzögerte Erweiterung des Bitterfeld-Werks zeigt jedoch, wie schwierig der Ausbau der heimischen Produktion bleibt.