Eurex verbietet und überwacht "korrumpierte spekulative Auslöser"
Brunhilde JesselEurex verbietet und überwacht "korrumpierte spekulative Auslöser"
Eurex verbietet und überwacht „Manipulative Spekulationsauslösung“
Nach monatelanger Blockadehaltung gegenüber Vorwürfen des französischen Proprietary-HFT-Unternehmens Mosaic Finance gibt Eurex nun offenbar dem Druck nach. Die Börse wird
8. Dezember 2025, 16:54 Uhr
Die Börse Eurex geht gegen die umstrittene Handelspraxis der „Manipulativen Spekulationsauslösung“ (engl. Corrupted Speculative Triggering, CST) vor. Der Börsenbetreiber wird das Vorgehen künftig überwachen und unterbinden, das einige Unternehmen nutzten, um im Hochfrequenzhandel minimale Zeitvorteile zu erlangen. Gleichzeitig betont Eurex, dass eine ähnliche Methode, die „Erweiterte Spekulationsauslösung“ (engl. Augmented Speculative Triggering, AST), nach wie vor innerhalb der geltenden Regeln zulässig bleibt.
Die Änderungen gehen mit Aufrüstungen der Überwachungssysteme von Eurex und strengeren Grenzen für den Nachrichtenverkehr einher.
Bei der CST werden Teile echter Marktdatenpakete – etwa die Präambel oder der Rahmenanfangsbegrenzer – wiederverwendet. Durch diesen Trick erhalten Orders einen Zeitstempel, der Bruchteile einer Sekunde vor dem eigentlichen Marktereignis liegt, auf das sie reagieren. Hochfrequenzhändler, die CST ausnutzten, konnten das Netzwerk von Eurex mit Millionen fehlerhafter Ethernet-Pakete fluten und so die bestehenden Rahmenlimits der Börse um ein Vielfaches umgehen.
Bisher stützte sich die Überwachung von Eurex auf rahmenbasierte Prüfungen, die Kritiker als unzuverlässig bei der Erkennung manipulierter Pakete bezeichneten. Der Wechsel zu einer paketbasierten Überwachung deutet darauf hin, dass das alte System blinde Flecken aufwies. Ab dem 20. April 2026 wird die Börse ihr bisheriges Ethernet-Rahmenlimit durch eine strengere Paketobergrenze pro Order-Eingabeverbindung ersetzen. Die festen Limits von 30.000 Nachrichten pro Sekunde und 600.000 pro Minute pro Leitung bleiben zwar bestehen, gelten jedoch künftig explizit für alle Pakete auf der physikalischen Ebene.
Zudem modernisiert Eurex seine Co-Location-Infrastruktur. Neue Hardware wird mit dem erweiterbaren Betriebssystem von Arista sowie einer aktualisierten Version von MetaWatch betrieben. Der Versand von Datenverkehr, der darauf abzielt, diese Grenzen zu umgehen, ist nun ausdrücklich verboten. Mosaic Finance hatte zuvor argumentiert, CST verstoße gegen die Netzwerkzugangsrichtlinien von Eurex, die von den Teilnehmern verlangen, Protokolle korrekt zu nutzen und beschädigte Rahmen zu vermeiden.
Die Regelanpassungen schließen eine Lücke, die es einigen Händlern ermöglichte, die Zeitsteuerung in ultra-schnellen Märkten zu manipulieren. Durch die aktualisierte Überwachung und strengere Paketlimits will Eurex Missbrauch verhindern, ohne den regelkonformen Hochfrequenzhandel einzuschränken. Die Infrastrukturaufrüstungen sollen ab kommendem Jahr eine engmaschigere Kontrolle ermöglichen.