Dresdens verbotene Kunst: Wie junge Künstler die DDR-Doktrin herausforderten
Klaas LübsDresdens verbotene Kunst: Wie junge Künstler die DDR-Doktrin herausforderten
Dresden spielte jahrzehntelang eine zentrale Rolle in der Kunstszene der DDR. Ab den 1950er-Jahren war die Stadt Schauplatz großer staatlich geförderter Ausstellungen, zugleich aber auch ein Ort für untergründige künstlerische Strömungen. Eine Gruppe junger Künstler, die zunächst im Sozialistischen Realismus ausgebildet worden waren, brach später mit der Tradition und geriet mit ihren Werken und Lebensentwürfen in Konflikt mit den Behörden.
Die Hochschule für Bildende Künste Dresden galt einst als führende Ausbildungsstätte der DDR für den Sozialistischen Realismus. Bis in die späten 1970er-Jahre hinein prägte sie Künstler wie Eberhard Göschel, der 1969 seinen Abschluss machte, sowie Hans Scheib, Reinhard Stangl und andere. Viele von ihnen orientierten sich zunächst am expressionistischen Stil der Brücke-Bewegung, bevor sie eigene künstlerische Wege einschlugen.
Göschel gründete später die Obergrabenpresse, einen kleinen Verlag in Dresden, während Helge Leiberg und andere im Leonhardi-Museum in Loschwitz unabhängige Ausstellungen organisierten. Ihre thematischen Gruppenschauen brachten sie häufig in Opposition zu Staatsfunktionären. Unterdessen eröffnete Hans Scheib in Berlin private Galerien – zunächst 1977 in der Raumerstraße 23, dann 1980 in der Sredzkistraße 64.
Alle fünf Jahre, beginnend 1953, fanden die zentralen Kunstausstellungen der DDR im Albertinum auf der Brühlschen Terrasse statt. Diese offiziellen Veranstaltungen standen in scharfem Kontrast zu den inoffiziellen, oft provokativen Werken jüngerer Künstler. Trotz Repression trugen deren Aktivitäten maßgeblich zur Entstehung einer alternativen Kulturszene in Dresden und Ost-Berlin bei.
Die Spannung zwischen staatlich sanktionierter Kunst und untergründigem Schaffen prägte die kulturelle Landschaft der DDR. Künstler wie Göschel, Leiberg und Scheib stellten offizielle Normen durch Ausstellungen, private Räume und unabhängige Publikationen infrage. Ihr Wirken hinterließ bis zum Fall der Berliner Mauer bleibende Spuren in der Kunst der DDR.






