27 April 2026, 20:26

CDU leitet Parteiverfahren nach umstrittenem AfD-Bündnis in Biebesheim ein

Plakat mit fettem schwarzem Text auf weißem Hintergrund, eingerahmt von einem schwarzen Rand, der zur Einberufung 'Deutschland zu schlagen' aufruft.

CDU leitet Parteiverfahren nach umstrittenem AfD-Bündnis in Biebesheim ein

Die hessische CDU hat Parteiverfahren gegen Mitglieder eingeleitet, die sich bei einer Abstimmung im Gemeinderat mit der AfD verbündet haben. Der Schritt folgt einer umstrittenen gemeinsamen Kandidatur für Stellvertreterposten des Bürgermeisters in Biebesheim am Rhein. Parteiführende bezeichnen die Zusammenarbeit als Bruch langjähriger Grundsätze.

In Biebesheim am Rhein hatten Vertreter von CDU und AfD eine gemeinsame Liste für die ehrenamtlichen Stellvertreterpositionen des Bürgermeisters eingereicht. Ihr Vorschlag stand einer Kandidatur gegenüber, die von SPD, Grünen und Freien Wählern unterstützt wurde – diese Fraktionen halten gemeinsam 17 der 31 Sitze im Gemeinderat. Die CDU stellt acht Mandate, die AfD sechs.

Die erste gemeinsame Liste wurde abgelehnt, doch eine überarbeitete Fassung ermöglichte schließlich die Wahl des AfD-Kandidaten Bernd Kahnert in den Gemeindevorstand. Der CDU-Fraktionsvorsitzende Ulrich Harth hatte offen dafür geworben, dass seine Partei eine der Stellvertreterpositionen besetzen solle.

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Der CDU-Kreisverband Groß-Gerau reagierte umgehend und leitete Ausschlussverfahren gegen die beteiligten Mitglieder ein. Der Kreisvorsitzende Stefan Sauer betonte, die Entscheidung sei "nicht verhandelbar", und verwies auf die von der Partei 2018 und 2020 beschlossenen Unvereinbarkeitsbeschlüsse – verschärft nach der Ermordung von Dr. Walter Lübcke. Die CDU bezeichnete die gemeinsame Abstimmung zwar als "offensichtlich spontan und unabgestimmt", stellte jedoch klar, dass sie gegen interne Richtlinien verstoße.

Eine aktuelle Studie des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB) ergab, dass bei fast 19 Prozent von 5.000 inhaltlichen Kommunalabstimmungen zwischen Mitte 2019 und Mitte 2024 eine "direkte Zusammenarbeit" mit der AfD stattfand. Darunter fallen Fälle, in denen mindestens ein Zehntel der Vertreter anderer Parteien AfD-Anträge unterstützte. Die Untersuchung zeigt zudem, dass vor allem fraktionslose Gemeinderäte und kleinere Parteien mit der AfD kooperieren.

Die Ausschlussverfahren unterstreichen die harte Linie der CDU gegen jede Form der Zusammenarbeit mit der AfD. Der Fall in Biebesheim am Rhein reiht sich ein in die wachsenden Bedenken über parteiübergreifende Bündnisse mit der rechtspopulistischen Partei auf kommunaler Ebene. Das Ergebnis der Disziplinarmaßnahmen wird entscheiden, ob die beteiligten Mitglieder in der CDU verbleiben können.

Quelle