11 February 2026, 17:16

Bundesbank-Chef Nagel öffnet Tür für begrenzte Eurobonds – ein historischer Kurswechsel

Eine Grafik der Euro-Geldpolitik mit farbcodierten Stufen und begleitendem Text, der weitere Informationen bereitstellt.

Bundesbank-Chef Nagel öffnet Tür für begrenzte Eurobonds – ein historischer Kurswechsel

Unterstützung für gemeinsame Eurozonen-Schulden wächst unter Notenbankern

Während Europa versucht, mit dem wirtschaftlichen Einfluss der USA und Chinas mitzuhalten, gewinnt die Idee gemeinsamer Schulden in der Eurozone unter Zentralbankern an Zustimmung. Joachim Nagel, Präsident der deutschen Bundesbank, hat sich nun für die Ausgabe weiterer gemeinsamer EU-Anleihen ausgesprochen – ein bemerkenswerter Kurswechsel angesichts der langjährigen Ablehnung der Bank. Sein Vorschlag ist jedoch mit strengen Auflagen verbunden und steht im Widerspruch zur Haltung der deutschen Bundesregierung in dieser Frage.

Die Bundesbank lehnte Eurobonds einst kategorisch ab und betrachtete sie während der Eurokrise 2010 als moralisches Risiko. Unter dem damaligen Präsidenten Jens Weidmann blockierte die Bank Pläne für gemeinsame Schulden, aus Sorge, dies könnte schwächere Volkswirtschaften zu leichtsinnigen Ausgaben verleiten. Doch spätestens 2020 lockerte sich diese Position: Der COVID-19-Wiederaufbaufonds und das Notfall-Anleihenkaufprogramm der EZB ebneten den Weg. Deutschland stimmte schließlich einem 750-Milliarden-Euro-Paket der EU zu – ein Wendepunkt.

Nagel plädiert nun dafür, gemeinsame Schulden nur für gezielte Zwecke einzusetzen, etwa für Verteidigung oder die grüne Energiewende, statt als dauerhafte Lösung. Er besteht darauf, dass jede Ausgabe streng von EU-Behörden und Mitgliedstaaten kontrolliert werden muss. Damit gerät er in Konflikt mit Bundeskanzler Friedrich Merz, der Eurobonds ausschließlich auf Notfälle beschränken will.

Die Debatte spaltet Europa seit Langem: Während südliche Länder gemeinsame Kreditaufnahmen vorantreiben, lehnten nordische Staaten – angeführt von Deutschland – dies bisher ab. Nagels aktuelle Haltung deutet auf eine vorsichtige Öffnung hin, auch wenn er eine vollständige Vergemeinschaftung der Schulden weiterhin ablehnt. Zudem betont er die Notwendigkeit, Europas Abhängigkeit von US-Zahlungssystemen zu verringern, und schlägt Alternativen zu Mastercard und Visa vor, um die finanzielle Souveränität zu stärken.

Über die Schuldenfrage hinaus ist Nagel überzeugt, dass ein liquiderer Markt für sichere EU-Vermögenswerte globale Investoren anziehen könnte. Seine Äußerungen unterstreichen einen breiteren Vorstoß, die wirtschaftliche Widerstandsfähigkeit Europas angesichts geopolitischer Spannungen zu festigen.

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Nagels Vorschlag markiert eine schrittweise, aber bedeutende Veränderung in Deutschlands Haltung zu Eurobonds. Während die Bundesbank deren begrenzte Nutzung nun akzeptiert, bleibt die Bundesregierung skeptisch gegenüber einer Ausweitung gemeinsamer Schulden. Die Diskussion wird voraussichtlich weitergehen, während Europa wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit und Haushaltsdisziplin in Einklang zu bringen versucht.