Aktivistin spendet Weimers umstrittenen Gedichtband "Kopfpilz" an Nationalbibliothek – und stellt ihn kostenlos online
Brunhilde JesselAktivistin spendet Weimers umstrittenen Gedichtband "Kopfpilz" an Nationalbibliothek – und stellt ihn kostenlos online
Die Aktivistin Martha Root hat Kulturminister Wolfram Weimers Debütgedichtband „Kopfpilz“ der Deutschen Nationalbibliothek gespendet – ein Schritt, der besonders brisant ist, da Weimer noch in diesem Jahr den Ausbau der Bibliothek gestoppt hatte. Root geht noch weiter und sorgt dafür, dass das umstrittene Werk einer breiten Öffentlichkeit zugänglich wird.
Sie stellte eine digitalisierte Version von „Kopfpilz“ auf Archive.org ein, wo das Buch kostenlos heruntergeladen werden kann. Für Root bietet die Veröffentlichung die Gelegenheit zu einer kollektiven Spendenaktion: Ein physisches Exemplar des Bandes soll versteigert werden, um die Initiative „Lesen Hilft“ zu unterstützen. Ihre Kritik an Weimer beschränkt sich jedoch nicht auf das Buch. Sie wirft ihm vor, drei linke Buchhandlungen von einer Preisverleihung ausgeschlossen zu haben – angeblich wegen „verfassungsschutzrelevanter Bedenken“.
Root behauptet zudem, Weimers ehemalige Firma – heute von seiner Ehefrau geführt – habe mit seinem Ministerium zusammengearbeitet, um kritische Medienberichterstattung zu steuern. Die Gedichte in „Kopfpilz“ bezeichnet sie als verherrlichend für „Vergewaltigungskultur“ und fordert, seine kulturellen Maßstäbe an seinem eigenen Werk zu messen. Erst kürzlich hatte sie im Dezember während des Chaos Communication Congress die rechtsextreme Dating-Plattform „White Date“ infiltriert.
Auf die zunehmende öffentliche Kritik reagierte Weimers Anwalt mit einer Abmahnung an den Satiriker Jan Böhmermann, nachdem dieser den Band in der Sendung „ZDF Magazin Royal“ vorgestellt hatte.
Durch Roots Spende und ihre weiteren Aktionen rückt Weimers Lyrik sowie sein berufliches Handeln erneut in den Fokus. Die Versteigerung von „Kopfpilz“ soll Gelder für „Lesen Hilft“ einbringen, während die digitale Version weiterhin online verfügbar bleibt. Der Konflikt verdeutlicht die anhaltenden Spannungen zwischen dem Minister und seinen Kritikern.
